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Werwolf von Ansbach

Wolf von Ansbach, die Bestie, die man 1685 als Mensch verkleidet aufhängte

Kuratiert vonErstellt amAktualisiert am

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EuropaEuropa
DeutschlandAnsbach(Deutschland)
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Rang
Menschenfressender WolfSt. 65
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Hierarchie
LegendentiereSt. 22

Der Wolf des Fürstentums

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Im Sommer 1685 begann ein Wolf, rund um Ansbach Vieh zu reißen, in einem kleinen Fürstentum des Heiligen Römischen Reiches im heutigen Mittelfranken. Zuerst war es eine Sache der Hirten: zerfetzte Lämmer und verschwundenes Vieh. Dann ging er Menschen an, vor allem Kinder, und die Angst ergriff das ganze Amt. Dass das Tier wirklich da war, bezweifelte niemand, denn man hatte es gesehen und es hinterließ Spuren und Leichen. Gestritten wurde über etwas anderes, und darauf kam es an: darüber, was diese Bestie war.

Eben erst war Michael Leicht gestorben, der Pfleger, der das Amt im Namen des Fürsten verwaltete. Getrauert hat um ihn niemand: Er war hart gegen die Bauern gewesen und hinterließ ein verhasstes Andenken. Als der Wolf auftauchte, ergab sich der Schluss von selbst. Dieses Tier war Leicht, und er war zurückgekehrt.

Der Tote, der mit Zähnen wiederkam

Was in Ansbach umging, war nicht ganz die Lykanthropie der Hexenprozesse. Niemand beschuldigte den Wolf, ein Mensch gewesen zu sein, der sich nach Belieben verwandeln konnte; nach einem Zaubergürtel wurde nicht gesucht; wegen eines Teufelspaktes wurde kein Verfahren eröffnet. Der Glaube war von anderer Art und älter: der vom Toten, der nicht liegen bleibt. Leicht hatte sich nicht in einen Wolf verwandelt. Leicht war als Wolf wiedergekommen.

Ein gedrucktes Flugblatt jener Jahre, wie man sie für ein paar Münzen kaufte, zeigte es unmissverständlich: den Pfleger in Wolfsgestalt, in ein weißes Leinentuch gehüllt, wie er in seine alte Wohnung zurückkehrt und die neuen Bewohner erschreckt. Dieser Holzschnitt erklärt den Fall besser als jede Gerichtsakte. Ansbach fürchtete kein Waldungeheuer, sondern den mächtigen Nachbarn, der sie nicht einmal tot in Ruhe ließ.

Die Hetzjagd und der Brunnen

Die Hetzjagd wurde groß aufgezogen, mit Hunden und mit Männern aus der Gegend, über die Felder von Neuses bei Eschenbach. Man trieb den Wolf aus einem nahen Wald und hetzte ihn im Freien, bis er gestellt war. Auf der Suche nach Deckung sprang das Tier in einen offenen Brunnen, und dort endete alles: unten gefangen und ohne Ausweg, wurde es darin erschlagen.

Es gab keinen Prozess. Kein Verhör, kein unter der Folter erpresstes Geständnis, kein auf einem Platz verlesenes Urteil. Was Ansbach bestrafen wollte, lag längst begraben, und der Brunnen lieferte nur einen Leib, an dem es geschehen konnte.

Die Verkleidung und der Galgen

Was dann kam, macht diesen Fall einzigartig. Man zog den Kadaver aus dem Brunnen und führte ihn über den Marktplatz. Dort schnitt man ihm die Schnauze ab, damit er kein Wolfsgesicht mehr hätte, und setzte ihm eine Maske, eine Perücke und einen falschen Bart auf. Dann steckte man ihn in Männerkleider. Als sie fertig waren, stand vor der Menge kein Tier mehr: es war Michael Leicht.

So zog man ihn an einem Galgen empor, für alle sichtbar. Ansbach richtete keinen Wolf hin: es richtete seinen Pfleger hin, der schon begraben lag, an dem einzigen Leib, den es dafür bekommen konnte. Und als das Schauspiel vorüber war, hat man ihn weder begraben noch verbrannt. Man ließ ihn ausstopfen, um ihn dauerhaft in einem hiesigen Museum zu zeigen, wo er als sichtbarer Beweis blieb, dass die Gerechtigkeit Leicht doch noch eingeholt hatte.

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Auch bekannt als

"Hirte von Ansbach"

Relikte

Symbolik

🔥

Element

Vollmond

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Nummer

13

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Farbe

Schwarz und Silber

🦁

Tiere

Wolf

Siegel:

Maske und PerückeAbgeschnittene SchnauzeOffener BrunnenGalgenLeinentuch

Merkmale

Krafte

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Schwachen

🧠

Verhalten

🛡️

Resistenzen

Im Atlas

Reise durch die Herkunftswelt der Wesen und den Kosmos ihrer Dimensionen.

Mythologien

📍 Deutschland
📅 Mittelalter bis Romantik (12.-19. Jahrhundert)

Die deutsche Folklore umfasst eine Sammlung von Erzählungen, Glaubensvorstellungen und Praktiken, die mündlich unter den deutschsprachigen Bevölkerungen vom Mittelalter bis in die Neuzeit überliefert wurden. Ihre Ursprünge reichen auf vorchristliche germanische Traditionen zurück, die sich nach der Christianisierung der germanischen Völker zwischen dem 4. und 8. Jahrhundert mit christlichen Elementen verbanden. Die von Jacob und Wilhelm Grimm im 19. Jahrhundert gesammelten Märchen bilden eine der bekanntesten Quellen, obwohl die Folklore auch lokale Sagen, Aberglauben und Erzählungen über übernatürliche Wesen umfasst, die das ländliche Leben und die Alltagssorgen der germanischen Gemeinschaften widerspiegeln. In der Weltanschauung der deutschen Folklore existieren Wesen wie Elfen, Zwerge, Riesen und Naturgeister neben Figuren wie dem Teufel oder Geistern Verstorbener. Diese Wesen agieren in einer Welt, in der Alltägliches und Wunderbares ineinander übergehen und in der moralische Normen durch Erzählungen vermittelt werden, die vor Gefahren warnen oder Tugend belohnen. Regionale Varianten zeigen deutliche Unterschiede zwischen dem protestantischen Norden und dem katholischen Süden sowie zwischen ländlichen und städtischen Gebieten. Das Erbe der deutschen Folklore erstreckt sich auf die europäische Literatur, Musik und Filmkunst und hat die Bildung nationaler kultureller Identitäten im 19. und 20. Jahrhundert beeinflusst. Die Sammlungen von Märchen und Sagen dienten als Grundlage für philologische und ethnografische Studien und werden in zeitgenössischen Werken weiterhin adaptiert, die die germanische Erzähltradition lebendig halten.

Quellen

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Flugblatt vom Wolf von Ansbach (1685)

Behörden von Ansbach · 1685

Volkstümlicher Druck der Zeit, der den Pfleger Michael Leicht in Wolfsgestalt zeigt, in ein Leichentuch gehüllt, wie er in seine alte Wohnung zurückkehrt.

📚

Das Buch der Werwölfe

Sabine Baring-Gould · 1865

Klassisches Buch von Sabine Baring-Gould (1865), das historische Fälle von Lykanthropie in Europa detailliert, einschließlich der Details des Falls Gilles Garnier als eines der prominentesten Beispiele für satanische Verwandlung und Verbrechen im 16. Jahrhundert, basierend auf originalen Gerichtsprotokollen.

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Der Werwolf: Beitrag zur Sagengeschichte

Wilhelm Hertz · 1862

Deutsche philologische Untersuchung, die die Werwolfprozesse des Heiligen Römischen Reiches versammelt, darunter den von Bedburg, und den Wolfsgürtel der wirklichen Prozesse von den späteren Zutaten der Populärliteratur scheidet.

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Werwolves

Elliott O'Donnell · 1914

Sammlung von Lykanthropiefällen und -überlieferungen aus ganz Europa, mit Kapiteln über die französischen und die baltischen Prozesse.

Häufige Fragen

War der Werwolf von Ansbach tatsächlich ein Mensch?

Nein. Es war ein Wolf aus Fleisch und Blut, der 1685 Vieh und Menschen riss. Zum Werwolf machte ihn die Deutung seiner Nachbarn, nicht irgendeine Verwandlung: Sie glaubten, ihr toter Pfleger sei in dem Tier zurückgekehrt. Im Katalog steht er als Bestie und nicht als angeklagter Lykanthrop, denn einen Angeklagten hat es nie gegeben.

Warum glaubte man, der Wolf sei der Pfleger Michael Leicht?

Weil Leicht eben erst gestorben war und verhasst gewesen ist. Er hatte das Amt hart verwaltet, und um sein Begräbnis trauerte niemand. Dass gerade dann ein Raubtier auftauchte, passte zu einem Glauben, der weit älter ist als die Hexenprozesse: dem vom Verstorbenen, der zurückkommt, um sich zu holen, was ihm zusteht. Gesucht wurde kein lebender Schuldiger, sondern ein Toter, der nicht liegen blieb.

Wie wurde der Wolf von Ansbach gefangen und getötet?

Bei einer Hetzjagd mit Hunden über die Felder von Neuses bei Eschenbach. Man trieb ihn aus einem nahen Wald und setzte ihm im Freien zu, bis er auf der Suche nach Deckung in einen offenen Brunnen sprang. Unten gefangen, wurde er auf der Stelle erschlagen. Man hat ihn nicht gehäutet, und darunter kam kein Mensch zum Vorschein: Er war ein Wolf und blieb einer.

Was geschah mit dem Körper des Wolfs nach seiner Tötung?

Man führte ihn über den Marktplatz, schnitt ihm die Schnauze ab und setzte ihm Maske, Perücke und falschen Bart auf, bis er wie Leicht aussah; dann steckte man ihn in Männerkleider und hängte ihn an einen Galgen. Danach hat man ihn nicht begraben: Man ließ ihn ausstopfen und dauerhaft in einem hiesigen Museum zeigen. Hingerichtet wurde ein Bild, denn der Mann war bereits tot.

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Bestiarypedia. (2026, August 12). Werwolf von Ansbach. Bestiarypedia. https://bestiarypedia.com/de/beings/werewolf-of-ansbach

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Zuletzt aktualisiert: 12. Aug. 2026